Evangelische Kirche Weißbriach


Rieger II/20


Über das Instrument

Beitrag zur Festschrift zur Orgelweihe von Christoph Glatter-Götz, Orgelbaumeister Fa. Rieger


Der Klangaufbau des Instrumentes ist so konzipiert, dass die Wiedergabe eines möglichst breiten Spektrums an Orgelliteratur möglich ist. Freilich nicht mit dem Anspruch auf Authentizität des Klanges der jeweiligen Stilepoche, sondern in der Sprache unserer heutigen Zeit. Dies wird vor allem dadurch ermöglicht, dass das zweite Manual als Schwellwerk ausgebildet ist, wodurch sich auch der Bereich der romantischen Musik eröffnet. Auch architektonisch verleugnet diese Orgel ihre Entstehungszeit nicht: Sie ist recht eigenwillig und modern gestaltet. Dennoch erweist die Form der Orgel eine Referenz an die Entstehungszeit der Kirche, eine Zeit, in der „Freipfeifenprospekte" gang und gäbe waren, das heißt, dass die Orgelpfeifen frei aufgestellt und nicht von einem Gehäuse umschlossen waren. Natürlich hat diese Orgel ein geschlossenes Gehäuse, vor allem aus klanglichen Gründen, damit der Klang der Orgel gesammelt und abgestrahlt werden kann. Dieses Gehäuse wird jedoch von den Prospektpfeifen überragt, sodaß es im oberen Bereich nicht sichtbar ist.

Wie Klang und Architektur, so verleugnet auch die Technik dieser Orgel ihre Entstehungszeit nicht. Natürlich ist dieses Instrument nach den Prinzipien der mechanischen Schleifenladenorgel gebaut. Jedoch wurden sämtliche technische Möglichkeiten unserer Zeit genutzt, um das Instrument nicht nur präzise und sensibel spielen zu können, sondern dies auch unter erschwerten klimatischen Bedingungen, etwa wenn die Luft durch die Kirchenheizung ausgetrocknet oder bei entsprechender Witterung extrem feucht wird.

Klang, Architektur und Technik bilden somit eine Einheit. Diese Einheit ist eine von vielen Voraussetzungen, die aus einer Orgel ein Kunstwerk machen.

 


Disposition

Hauptwerk (C-g''') Positiv (C-g''') Pedal (C-f)

Bourdon 16'

Principal 8'

Holzgedackt 8'

Octav 4'

Flöte 4'

Superoctav 2'

Mixtur IV 1 1/3'

Trompete 8'

 

Holzflöte 8'

Gamba 8'

Prestant 4'

Rohrflöte 4'

Sesquialtera 1 2/3’ + 1 3/5'

Schwiegel 2'

Oboe 8'

Tremulant

 

 

Subbaß 16'

Principal 8'

Gemshorn 8'

Choralbaß 4'

Fagott 16' 

 

Spielhilfen

Koppeln: II/I, I/P, II/P


Zu den Vorgängerinstrumenten

Text aus der Festschrift zur Orgelweihe 


Die Geschichte der Vorgängerin unserer neuen Orgel läßt sich nicht mit letzter Sicherheit rekon­struieren. Sie dürf­te in kleinerem Umfang um 1830 für das Bethaus errichtet, dann etwas erweitert, 1886 nach dem Neubau der Kirche dorthin übertragen worden sein. Sie umfaßte 2 Manuale und ein kurzes Pedal mit 11 Registern. Wohl immer gewartet, war sie nun in einem Zustand, der eine umfangreichere Restaurierung nötig gemacht hätte. Von fachli­cher Seite ist uns eher zu einem Neubau geraten worden. Genannt sei hier vor

allem Frau Elfriede Stadelmann, geb. Gönitzer. Sie hatte auf der alten Orgel einige Konzerte gespielt und wußte, wovon sie sprach. Sie machte Mut, an einen Neubau zu denken. Leider weilt sie nicht mehr unter uns Lebenden. Der neue Klang soll auch an sie erinnern. 1974-76 wurde der Pfarrsaal errichtet. Er war auch als Winterkirche gedacht. Dafür suchte man nun ein passendes Instrument. Bei der Kirchengemeinde Lienz wurden wir fündig. Sie hatte eine neue Orgel erhalten und konnte das alte Harmonium abgeben. Dessen Ge­schichte läßt sich ebenfalls nicht mehr weit zurückverfolgen. Den schönen Drechselarbeiten nach zu schließen, muß es vor 1900 entstanden sein. 1974 erhielt die Kirchengemeinde Lienz vom Hilfs­werk der Evang. Kirchen der Schweiz eine Barackenkirche. Dort versah das Harmonium seinen Dienst bis zum Bau der Kirche 1962 und in der Kirche bis zur Errichtung der Orgel im Jahre 1964. Dann wurde es im dortigen Gemeindesaal sozusagen zur Ruhe gesetzt, bis es bei uns im Gottesdienst und in den Chorproben wieder zu neuen Ehren kam. Etwa 1989 erreichte uns das Angebot eines Geschenks: Herr Rudolf Santner Berlin, ein gebür­tiger Weißbriacher, bot uns eine elektronische Hausorgel, Marke Yamaha, an. Er hatte sie zur musikalischen Ausbildung seiner Tochter angeschafft, wur­de aber nur wenig gebraucht. Wir griffen freudig zu in der Erwartung, daß junge Menschen mit diesem Instrument ihre Freude hätten. Es fand seinen Platz in unserem Pfarrsaal, wurde aber wieder wenig verwendet. Seine Stunde schlug nun, nach dem unsere alte Orgel in der Kirche abgebaut worden war. Seit Februar versieht es in der Kirche seinen Dienst bei allen Gottes­diensten und Amtshandlungen. Voraussichtlich werden wir es weiterhin bei kleineren Anlässen, wie Taufgottesdiensten, gerne in Anspruch nehmen. Die Rieger-Orgel am Weißensee: Mit dem Neubau der Kirche 1900-1903 wurde auch eine neue Orgel angeschafft. Sie stammte von der damals schon weltberühmten Firma Rieger in Jägerndorf, Ostern. Schlesien, heute Tschechien. Das Instrument umfaßt ein Manual und Pedal mit zusammen 9 Registern, Super­oktav- und Pedalkoppel. Sie versieht bis heute treu und verläßlich ihren Dienst. Zu vermerken wäre, daß die Familie Rieger nach 1945 unter schwierigsten Umständen ihren Betrieb in Schwarzach, Vorarlberg neu aufbauen und wieder zu Weltruhm bringen konnte. Aus diesem Betrieb stammt nun unsere neue Weißbriacher Orgel. Hier ist der Ort, da allen Organisten unserer Gemeinde herzlicher Dank gesagt sei für ihr Wirken in Vergangenheit und Gegenwart. Ohne begeisterte Menschen, die den Instrumenten die Töne entlocken, wären die Mühen wirkungslos.